Das hat Einiges an Zeit der Einarbeitung gekostet. Aber diese Aufgabe ist – meist – sehr dankbar. Und für mich ist es ungeheuer spannend zu erfahren, welch unterschiedliche Vorstellungen zur Arbeit mit SchulCommSy entstehen – die Situation ist an jeder Schule eine andere.
Stichwort: Dysfunktionalität als ein Merkmal suchtähnlichen Verhaltens beim Bewegen im Internet.
Kann es für Jugendliche nicht manchmal (und vielleicht auch nur für den Moment) sehr funktional sein, sich – eben durch/mit Hilfe von, sagen wir, „exzessiver“ Internetnutzung – der Familie zu entziehen ( – und damit möglichen Konflikten aus dem Weg zu gehen), soziale Kontakte der Lebenswelt zu „vernachlässigen“ ( – um sie entweder in der virtuellen Welt weiterzupflegen oder umzudefinieren oder gänzlich neue zu knüpfen), in der Schule die von ihm erwarteten Leistungen nicht zu zeigen ( – da bei diversen Internetnutzungen wesentlich höhere Leistungen erforderlich sind bzw. dortige Anwendungen viel zukunftsweisender sind) ? Ist somit die „Dysfunktionalität“ nicht eher der heutige gesellschaftliche Blick auf das Verhalten – welche sich für den User möglicherweise als genau das Gegenteil, Funktionalität nämlich, darstellt?
Oder habe ich beide Begriffe vielleicht falsch verstanden? Bitte, es sind nur Fragen – keine Thesen!
Ein für mich viel bedeutenderes Merkmal suchtähnlichen Verhaltens ist das der fehlenden oder mangelhaften Selbstkontrolle. Quasi Fremdbestimmtheit durch das Netz. Und hier, denke ich, müssen Schulen und Elternhäuser tatsächlich noch viel a) selbst lernen und b) klug handeln.
Apropos, hier eine kleine leicht zynische Randbemerkung: Wenn Lehrende heute sich besonders darum bemühen, mit den digital natives genau diese Dinge einzuüben, kann es dazu führen, dass diese Lehrenden ihre eigenen sozialen Kontakte vernachlässigen. Also zeigen diese Lehrenden auch schon Merkmale suchtähnlichen Verhaltens?
Das Hamburger Bürgertum protestiert gegen die geplante Schulreform. Und beweist damit seinen Egoismus
Der Weg vom Gänsemarkt zum Rathaus, den die Demonstranten wählen, führt über den Jungfernstieg, an der Binnenalster entlang, vorbei am Nivea-Haus, das auf drei Etagen in »entspannter Clubatmosphäre« Indische Streich- und Ayurvedische Fußmassage anbietet. 35 Minuten kosten 34 Euro. Links lädt der Alsterpavillon zum Latte Macchiato, von schräg gegenüber grüßt das feine Hotel Vier Jahreszeiten. Nur das Alsterhaus wirkt heute leicht geknickt; das Nobelkaufhaus soll verkauft werden. Zu nobel, findet der Besitzer.
Der Weg, den die Demonstranten wählen, zeigt die Stadt Hamburg, wie sie sich selbst gern sieht: wohlhabend, sauber und selbstgewiss. Die meisten Demonstranten kennen diesen Weg, sie kommen Samstags öfter hierher. Nur dass sie normalerweise shoppen und nicht demonstrieren.
Anzeige
Vorn im Zug der Empörten geht Walter Scheuerl und trägt ein Transparent. Den blauen Baumwollpulli hat er über die Schulter geworfen, die Sonne scheint. Scheuerl ruft: »Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut.« Der 47-Jährige ist Anwalt, er hat zwei Kinder, die das Gymnasium besuchen, und seit der schwarz-grüne Senat vor einem Jahr eine weitreichende Schulreform angekündigt hat, organisiert Scheuerl den Widerstand. Als der Protestzug auf dem Rathausmarkt ankommt, klettert er auf die Ladefläche eines kleinen Lastwagens, der als Bühne dient, reißt die Arme hoch und spreizt die Finger: victory . Die Demonstranten johlen, einige tragen ihre Töchter oder Söhne auf den Schultern. »Liebe Kinder«, beginnt Scheuerl, »wir sind für euch hier.«
Man könnte schmunzeln über den Anwalt, der den Volkstribun probt und nun das »Märchen vom guten König Oleando (von Beust) und der bösen Hexe Christaxa (Schulsenatorin Goetsch)« erzählt. Man könnte sich freuen über das bürgerschaftliche Engagement, das er und viele andere Eltern an diesem sonnigen Vormittag zeigen; man könnte auch einräumen, dass die geplante Schulreform tatsächlich Fragen und Unsicherheiten mit sich bringt. Doch etwas stimmt nicht an diesem Protest. Ein schriller Ton begleitet ihn, und dieser Ton kommt nicht allein von den Trillerpfeifen, die die meisten Eltern ihren Kindern überlassen haben – schließlich sind sie nicht bei der IG Metall! Ein hässliches Motiv kann man erkennen, obwohl – oder gerade weil – die meisten von ihnen gut, sehr gut sogar gekleidet sind.
Der Unmut, der sich an diesem Samstag auf dem Rathausmarkt in Hamburg artikuliert, kommt aus den besseren Vierteln der Stadt, in denen die Abiturientenquote hoch und die Zahl der Schulabbrecher gering ist. Es ist ein durch und durch bürgerlicher Protest, getragen von Architekten und Ärzten, Anwälten und Anwaltsgattinnen, unterstützt von »Hamburger Persönlichkeiten wie Ingeborg Prinzessin zu Schleswig-Holstein oder Magnus Graf und Karoline Gräfin Lambsdorff« (Die Welt). Das alles wäre nicht schlimm, auch Ärzte sind Bürger, wenn diese Bürger nicht mit dem Selbstverständnis aufträten, dass sie – und nur sie allein – die Interessen der Stadt formulierten.
»Wir sind stolz! Hier steht die Mehrheit der Hamburger«, ruft einer der Demonstranten von der Ladefläche des Lastwagens herab. Das ist bei vier-, vielleicht fünftausend Demonstranten in einer Stadt mit 1,7 Millionen Einwohnern schon rechnerisch eine gewagte Aussage.
Doch darum geht es: Getrieben von den Grünen, hat der Senat beschlossen, dass Hamburgs Schüler künftig nach skandinavischem Vorbild länger, nämlich sechs Jahre, gemeinsam lernen sollen. Das Ziel: Bessere Bildung für alle und mehr Bildungschancen für die, die im bisherigen System durch den Rost fallen. Über den Weg kann man streiten, über das Ziel nicht: Mehr als zehn Prozent der Hamburger Kinder verlassen die Schule ohne Abschluss. Doch diese Kinder kommen nicht aus den Elbvororten, sie besuchen keine altsprachlichen Gymnasien. Auch in den Reden, die auf dem Hamburger Rathausmarkt gehalten werden, tauchen sie nicht auf. Dort fordern dieselben Eltern, die mit der Flucht in Privatschulen drohen, mehr Geld und kleinere Klassen – wohlgemerkt für die Schulen ihrer Kinder, also die Gymnasien. Für die anderen Schulformen sieht das die Reform ohnehin vor.
Weil die sogenannte Primarschule sechs Jahre dauert, bleibt für die weiterführenden Schulen weniger Zeit übrig. Die Demonstranten werfen dem Senat daher vor, dass er die Gymnasien schleife und damit die Stadt spalte. Doch anders herum ist es richtig: Die Reform hat eine tief greifende soziale Spaltung der Stadt offengelegt – eine Spaltung, die in kaum einer anderen deutschen Stadt so scharf ist und gleichzeitig so wenig im öffentlichen Bewusstsein wie in Hamburg. Vor allem aber haben die Reform und der Protest gegen sie die Selbstbezogenheit eines Bürgertums offenbart, das notfalls die Faust mit der Gucci-Handtasche ballt, um den eigenen Besitzstand – in diesem Fall das achtjährige Gymnasium – zu verteidigen.
»Ich spreche der Politik das Recht ab, über mein Kind zu entscheiden«, schmettert der Schauspieler Sky du Mont (Der Schuh des Manitu,Samba in Mettmann), der mitdemonstriert, in Richtung Rathaus. Was er nicht wahrhaben will: Andere Kinder mit schwächeren Eltern sind ohne die Politik verloren.
Die Vorfreude war groß, und sie war gerechtfertigt. Das Konzept der Tagung: An think-Angebote schließen sich mehrere verschiedene work-Angebote an, unter denen man sich jeweils eines auswählen konnte. Außerdem stellte die Tagungsleitung jedem/r TeilnehmerIn ein Net- oder Notebook zur Verfügung – was ich großartig fand. Da das technisch recht kompliziert ist, auch noch nie ausprobiert wurde, wird das LI hierzu interessante Erfahrungen gemacht haben (z.B. bzgl. des Stromzuganges). Das WLAN hat während der Tagung gut funktioniert (außer freilich während des Eingangsvortrages – aber das ist ja zu verschmerzen ). Klasse!
Selbst die lange Schlange beim Anstehen nach Essen war kurzweilig – was Wunder: Wurden doch sehr leckere Häppchen gereicht, und außerdem hatte man immer nette Leute z.B.vom SchulCommSy oder vom SchulSupport zum Plaudern um sich.
Der Input der Tagung war riesig, die Zeit viel zu kurz. Man raste von think zu work – und ich hatte leider keine Zeit, mir in Ruhe die Angebote der Aussteller anzusehen. Außerdem hätte ich mich häufig gern gedreiteilt, da die think- und work-Angebote inhaltlich so vielversprechend waren, dass mir eine Entscheidung im Vorhinein sehr schwer viel.
Und natürlich: Die Flur- und draußen-Gespräche . Ich habe nun Menschen real erleben dürfen, die ich bislang nur „virtuell“ kannte. Auch hier: großer Input.
Beat Döbeli konnte ich ja nun zum zweiten Mal erleben. Dort in der Schweiz wurde ein sehr interessantes Plakat – eher ein Mindmap – zum Teil (oder Beitrag?) von Neuen Medien in der Schulentwicklung erstellt. Ich hoffe, Beat stellt bzw. ich finde es online.
Ich werde hier nach und nach zu jedem Angebot was schreiben:
Dazu passt natürlich hervorragend der hype cycle, den Beat Döbeli auch in seinem Eingangsvortrag verwendet hat, in dem die Entwicklung und (auch pädagogische) Nachbereitung im Anschluss eines Eroberungszuges durch neue Technologien dargestellt wird:
Mit Zunahme von Twitter wurde ein Nachlassen von Blog-Aktivitäten festgestellt. Und man vermutet hier einen Zusammenhang, versieht das Ganze dann mit Begriffen wie Microblogging (und in Bezug auf das Lernen mit: Microlearning, Nanolearning, Rapid eLearning). Aus eigener Erfahrung kann ich das nicht bestätigen, stelle aber fest, dass Twitter einerseits viel Zeit kostet und ich nur mit ziemlich viel Kraftaufwendung für die Selbstbeherrschung dem Ganzen Herr werde, dennoch aber das Twittern mich auch weiterbringt, da mich auf sehr kurzem Wege schnell und fokussiert – und zwar, dank Selbstorganisation, themenbezogene – Informationen erreichen.
Der Faktor Zeit scheint beim Umgang mit dem neuen Medium eh eine der größten Rollen zu spielen. Unsere Generation hat nicht gelernt, in diesem Bereich effektiv zu arbeiten (wie auch, und von wem), andererseits soll unsere Generation die nachfolgende dazu befähigen, genau dies zu können. (Und natürlich betrifft das nicht nur den Faktor Zeit, sondern auch Fragen der Offenheit/Privatheit etc. )
Schulmeister weiter: personal learning environments (PLEs) seien für kooperatives Lernen nicht geeignet, da ihnen eine hohe Personalisierungskomponente innewohnt. Er schließt daraus, dass in PLEs immer auch eine Reflexion ermöglicht werden muss. Nun gut, ich gehe ja eigentlich davon aus – unabhängig von den eingesetzten Medien – dass eine Reflexion des eigenen Tuns bzw. des eigenen Lernzuwachses der/des Lernenden (und eigentlich auch eine Reflexion der/des Lehrenden) immer stattfinden muss. Insofern würde ich mich dem nicht anschließen. Allerdings sehe ich, dass die große Individualisierungsmöglichkeit, von der im Zusammenhang mit PLEs immer geschwärmt wird, natürlich hochgradig personalisiert ist, sein muss. Und: Wenn mit PLEs eben nicht nur die Lernplattform sondern die gesamte PLE (auch der nicht-virtuellen Welt) gemeint ist: Welcher Schreibtisch ist nicht hochgradig personalisiert??? Außerdem gibt es doch viele Möglichkeiten, gerade PLEs der digitalen Art so zu gestalten, dass genau kooperativ gelernt werden muss… Wir sind also wieder dort angelangt, was Döbeli in seinem Eingangsvortrag so eindrucksvoll darstellte: Der Computer ist nicht die Lösung. Nicht der Umgang mit ihm, sondern pädagogische Fragen sind zu lösen.
Schulmeiser ging auch diesmal auf die zwei Geschwindigkeiten nach Mizuko Ico ein, die gegeneinander Probleme bereiten: Einerseits die rasante Geschwindigkeit in der Technologieentwicklung, andererseits die Entwicklungsgeschwindigkeit Heranwachsender, die im Vergleich zur ersteren langsamer verläuft.
Weiter. digital litercy bedeutet nicht: wie Geräte benutzt werden, sondern u.a. Informationen selektieren und bewerten zu können. Und auch das dürfte unserer Generation recht schwerfallen. Natürlich beherrschen wir das (oder sollten es zumindest) recht gut in Bezug auf Printmedien (wobei: Wie steht es mit den BILD-Zeitung lesenden LehrerInnen? Ob diese immer auch solche „Informationen“ klug bewerten…?). Aber in Bezug auf die Informationsflut, die mit dem Internet zusammenhängt, kommen auch wir nicht immer gut zurecht. Oder wie ist das mit dem Unterrichtsmaterial aus dem Netz, welches unverändert als Grundlage für den eigenen Unterricht herhalten muss (auch wenn: die Aufgaben oder Informaionen unzureichend oder gar fehlerhaft sind, Schriftarten nicht dem Bundesland entsprechen, Inhalte nicht mit den eigenen Zielen übereinstimmen, …)?
Interessante Randbemerkung in der nachfolgenden Pause: Ein Kollege von Motte e.V. berichtete, dass Kinder aus „bildungsfernen“ Elternhäusern häufig den (handwerklichen) Umgang mit Neuen Medien und entsprechenden Endgeräten besser beherrschen als Kinder „bildungsnaher“ Elternhäuser – denn die neusten und besten Endgeräte sind bei Kindern „bildungsferner“ Elternhäuser ein starkes Statussymbol, und in diesen Elternhäusern ist häufig ein unkontrollierter Zugang zum Web möglich. Natürlich ist das nicht mit Medienkompetenz gleichzusetzen – aber immerhin sollte das bei allem Reden über Medienkompetenz beachtet werden.